Arbeitsmarktstatistik
Arbeitsmarktentwicklung in Ostbelgien - Viertes Quartal 2024
Der Bericht zur aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarkts im vierten Quartal 2024 enthält Informationen zu den Arbeitslosenzahlen in Ostbelgien, sowie den Stellenangeboten, die dem Arbeitsamt gemeldet wurden.
Anstieg der Arbeitslosenzahl verlangsamt
Ende Dezember 2024 liegt die Zahl der Vollarbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei 2.538 Personen. Damit ist die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Dezember des Vorjahres um +234 Personen gestiegen. Nach wie vor sind es vor allem die freiwillig eingetragenen Arbeitsuchenden, die zu diesem Anstieg beitragen. Die Arbeitslosenquote steigt dadurch ebenfalls von 6,1% im Dezember 2023 auf nunmehr 6,8% im Dezember 2024.
Im Vergleich zum vierten Quartal des Jahres 2023 ist die Arbeitslosenzahl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt um +12% (oder +271 Personen) gestiegen. Damit ist der Anstieg allerdings nicht mehr so stark wie im vorherigen Quartal. Rund 60% dieses Anstiegs betrifft Personen, die kein Arbeitslosengeld beziehen und freiwillig eingetragen sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ab September 2023 die Regeln der Ein- und Austragung angepasst wurden. Diese Anpassung verfolgt das Ziel, mehr Arbeitsuchende als bislang zu erfassen, um breiter informieren und begleiten zu können. Deshalb werden die freiwillig Eingetragenen nicht mehr automatisch nach drei Monaten aus der Datenbank ausgetragen.

Nur noch etwa die Hälfte der Arbeitslosen (51%) bezieht Arbeitslosengeld. Rund 17% werden von einem ÖSHZ unterstützt. Die übrigen Arbeitslosen beziehen ein anderes oder gar kein Ersatzeinkommen. So sind knapp 8% der Arbeitslosen Schulabgänger, die noch kein Anrecht auf Unterstützung haben. Ihr Anteil sinkt jetzt zum Jahresende nach dem saisonal bedingten Zuwachs im Sommer wieder ab. Weitere 17% sind freiwillig eingetragene Arbeitsuchende, die meist keinen Anspruch auf Unterstützung haben.
Zu dieser Gruppe zählen auch die Ukraine-Flüchtlingen, deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr nur noch wenig angestiegen ist. Zurzeit handelt es sich um knapp 170 Personen, die allerdings in der Regel von einem ÖSHZ unterstützt werden. Hinzu kommt seit Beginn 2024 das neue Programm zur Wiedereingliederung von krankgeschriebenen Personen. Dieses betrifft zurzeit knapp 50 Personen, die auch zu den freiwillig eingetragenen Arbeitsuchenden hinzugezählt werden.
Arbeitslosenquote
Die Zahl der entschädigten Arbeitslosen und der Schulabgänger ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 75 Personen gestiegen. Die von einem ÖSHZ unterstützen Arbeitsuchenden sind seit September 2023 bis auf wenige Ausnahmen zur Eintragung beim Arbeitsamt verpflichtet, ihre Zahl ist um rund 30 Einheiten gestiegen.

Im Kanton Eupen bleibt die Arbeitslosenquote mit 8,9% nach wie vor deutlich höher als im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der mit einer Quote von 3,7% weiterhin nahezu Vollbeschäftigung kennt. Die Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen liegen mittlerweile mit 6,7% und 6,9% nahezu gleichauf.
Alter der Arbeitslosen
Etwa ein Drittel der Arbeitslosen in Ostbelgien (32%) ist älter als 50 Jahre, und davon die Hälfte sogar älter als 60 Jahre. Der Anteil der jugendlichen Arbeitslosen sinkt im Dezember 2024 wieder auf 13,4%, nachdem er im Sommer aufgrund der saisonalen Eintragung der Schulabgänger bis auf etwa 17% gestiegen war.
Dauer der Arbeitslosigkeit
Knapp die Hälfte der Arbeitslosen (49%) ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und zählt damit zu den Langzeitarbeitslosen. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings vor allem die Zahl der Personen mit einer Dauer von 6-12 Monaten deutlich gestiegen, was nicht zuletzt auf die oben erwähnten Regeländerungen zurückzuführen ist.
Qualifikation der Arbeitslosen
Sieht man sich die Qualifikationsstruktur an, so stellt man fest, dass 40% der Arbeitslosen niedrig qualifiziert sind, d.h. sie verfügen höchstens über den Abschluss der Unterstufe des Sekundarschulunterrichtes. 13% haben eine Lehre beendet, 28% das Abitur und 18% verfügen über einen Hochschulabschluss. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist v.a. die Zahl der Personen mit Abitur- oder Hochschulabschluss gestiegen. In dieser Statistik wird allerdings kein Unterschied zwischen belgischen oder ausländischen Abschlüssen gemacht, d.h. auch nicht formal in Belgien anerkannte ausländische Abschlüsse werden wie inländische Abschlüsse gezählt.
Arbeitslosenquote
Aufgrund der Regeländerungen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind die Arbeitslosenzahlen auch im vierten Quartal 2024 stärker angestiegen als in den anderen belgischen Regionen. Im Landesschnitt beläuft sich der Anstieg auf +4,2%, verglichen mit +10,2% in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. In Flandern war der Anstieg mit +2,2% am niedrigsten.
Die Arbeitslosenquote ist im Dezember 2024 in Brüssel mit 16,9% nach wie vor am höchsten, gefolgt von der Wallonie mit 15,3%. Flandern und die Deutschsprachige Gemeinschaft liegen fast gleichauf mit 6,7% bzw. 6,8%. Allerdings werden in Flandern im Gegensatz zu den anderen Regionen auch die Arbeitsuchenden in Ausbildung mit zur Arbeitslosigkeit gezählt. Für Belgien insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Quote von etwa 10,3% [1].
Zahl der Stellenangebote steigt wieder an
Ein Indiz für die Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften ist auch die Zahl der beim Arbeitsamt aufgegebenen offenen Stellen. Auch wenn nicht alle Stellenangebote dem Arbeitsamt gemeldet werden, spiegelt diese Zahl die konjunkturelle Entwicklung zumeist recht gut wider. So wurden im vierten Quartal 2024 dem Arbeitsamt 244 offene Stellen gemeldet (ohne Interim-Stellen), davon 82% von ostbelgischen Betrieben. Dies ist ein Rückgang um -4% im Vergleich zum Vorjahr. Für das gesamte Jahr 2024 liegt ein Rückgang um -9% vor, sowohl im Norden als auch im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

[1] Beim Vergleich der Arbeitslosenquoten muss man berücksichtigen, dass die Erfassungsmethoden je nach Region abweichen können. Nähere Erläuterungen zu den methodologischen Unterschieden finden Sie in den Downloads.
Downloads
Q4-2024 Pressetext Arbeitsmarktentwicklung
Arbeitsmarkt-Info Q4-2024 - Tabellen und Grafiken
Methodologische Unterschiede zwischen den Regionen