Arbeitsmarktstatistik

Arbeitsmarktentwicklung in Ostbelgien - Drittes Quartal 2024

Der Bericht zur aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarkts im dritten Quartal 2024 enthält Informationen zu den Arbeitslosenzahlen in Ostbelgien, sowie den Stellenangeboten, die dem Arbeitsamt gemeldet wurden.

Zahl der Arbeitsuchenden steigt weiter an

Ende September 2024 liegt die Zahl der Vollarbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei 2.639 Personen. Damit ist die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum September des Vorjahres um +261 Personen gestiegen. Neben dem saisonalen Anstieg in den Sommermonaten sind es vor allem die freiwillig eingetragenen Arbeitsuchenden, die zu diesem Anstieg beitragen. Die Arbeitslosenquote steigt dadurch ebenfalls von 6,3% im September 2023 auf nunmehr 7,0% im September 2024.

Nur noch etwa die Hälfte der Arbeitslosen (51%) bezieht Arbeitslosengeld. Rund 17% werden von einem ÖSHZ unterstützt. Die übrigen Arbeitslosen beziehen ein anderes oder gar kein Ersatzeinkommen. So sind etwa 10% der Arbeitslosen Schulabgänger, die noch kein Anrecht auf Unterstützung haben. Ihr Anteil steigt regelmäßig im Sommer saisonal bedingt an, wenn sich viele Schulabgänger - zumeist vorübergehend - beim Arbeitsamt eintragen. Weitere 16% sind freiwillig eingetragene Arbeitsuchende, die meist keinen Anspruch auf Unterstützung haben.

Im Vergleich zum dritten Quartal des Jahres 2023 ist die Arbeitslosenzahl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt um +14,3% (oder +344 Personen) gestiegen. Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs betrifft Personen, die kein Arbeitslosengeld beziehen und freiwillig eingetragen sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ab September 2023 die Regeln der Ein- und Austragung angepasst wurden. Diese Anpassung verfolgt das Ziel, mehr Arbeitsuchende als bislang zu erfassen, um breiter informieren und begleiten zu können. Deshalb werden die freiwillig Eingetragenen nicht mehr automatisch nach drei Monaten aus der Datenbank ausgetragen.

Zu dieser Gruppe gehören auch die Ukraine-Flüchtlingen, deren Zahl ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr noch etwas weiter angestiegen ist. Sie werden allerdings in der Regel von einem ÖSHZ unterstützt. Zurzeit handelt es sich um knapp 160 Personen.

Hinzu kommt seit Beginn 2024 das neue Programm zur Wiedereingliederung von krankgeschriebenen Personen. Dieses betrifft zurzeit rund 40 Personen, die damit zu den Arbeitsuchenden hinzugezählt werden.

In diesem Quartal ist allerdings zusätzlich auch die Zahl der entschädigten Arbeitslosen und der Schulabgänger im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (zusammen um rund 100 Personen), sowie die Zahl der von einem ÖSHZ unterstützen Arbeitsuchenden. Letztere sind seit September 2023 bis auf wenige Ausnahmen zur Eintragung beim Arbeitsamt verpflichtet.

Im Kanton Eupen bleibt die Arbeitslosenquote mit 9,2% nach wie vor deutlich höher als im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der mit einer Quote von 3,8% nahezu Vollbeschäftigung kennt. Die Arbeitslosenquote der Frauen liegt mit 7,3% etwas höher als diejenige der Männer (6,8%). Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr betrifft gleichermaßen die beiden Kantone und die beiden Geschlechter.

Etwa ein Drittel der Arbeitslosen in Ostbelgien (31%), sind älter als 50 Jahre, und davon die Hälfte sogar älter als 60 Jahre. Der Anteil der jugendlichen Arbeitslosen steigt im September 2024 aufgrund der saisonalen Eintragung der Schulabgänger auf knapp 17%, ähnlich wie im vergangenen Jahr.

Knapp die Hälfte der Arbeitslosen (47,0%) ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und zählt damit zu den Langzeitarbeitslosen. Gestiegen im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings vor allem die Zahl der Personen mit einer Dauer von 6-12 Monaten, was unter anderem auf die oben erwähnten Regeländerungen zurückzuführen ist.

Sieht man sich die Qualifikationsstruktur an, so stellt man fest, dass 39% der Arbeitslosen niedrig qualifiziert sind, d.h. sie verfügen höchstens über den Abschluss der Unterstufe des Sekundarschulunterrichtes. 13% haben eine Lehre beendet, 28% das Abitur und 1% verfügen über einen Hochschulabschluss. In dieser Statistik wird kein Unterschied zwischen belgischen oder ausländischen Abschlüssen gemacht, d.h. auch nicht formal in Belgien anerkannte ausländische Abschlüsse werden wie inländische Abschlüsse gezählt.

Aufgrund der Regeländerungen in der DG sind die Arbeitslosenzahlen auch im dritten Quartal 2024 stärker angestiegen als in den anderen belgischen Regionen. Im Landesschnitt beläuft sich der Anstieg auf +5,3%, verglichen mit +14,3% in der DG. In Flandern war der Anstieg mit +3,0% am niedrigsten.

Die Arbeitslosenquote ist im September 2024 in Brüssel mit 17,0% nach wie vor am höchsten, gefolgt von der Wallonie mit 15,1%. Flandern und die Deutschsprachige Gemeinschaft liegen fast gleichauf mit 6,8% bzw. 7,0%. Allerdings werden in Flandern im Gegensatz zu den anderen Regionen auch die Arbeitsuchenden in Ausbildung mit zur Arbeitslosigkeit gezählt. Für Belgien insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Quote von etwa 10,3% [1].

Zahl der Stellenangebote steigt wieder an

Ein Indiz für die Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften ist auch die Zahl der beim Arbeitsamt aufgegebenen offenen Stellen. Auch wenn nicht alle Stellenangebote dem Arbeitsamt gemeldet werden, spiegelt diese Zahl die konjunkturelle Entwicklung zumeist recht gut wider. So wurden im dritten Quartal 2024 dem Arbeitsamt 266 offene Stellen gemeldet (ohne Interim-Stellen), davon 82% von ostbelgischen Betrieben. Dies ist ein Anstieg um 18% im Vergleich zum Vorjahr, nachdem im ersten Halbjahr ein ebenso deutlicher Rückgang festzustellen war.


[1] Beim Vergleich der Arbeitslosenquoten muss man berücksichtigen, dass die Erfassungsmethoden je nach Region abweichen können. Nähere Erläuterungen zu den methodologischen Unterschieden finden Sie in den Downloads.

Downloads

  Q3-2024 Pressetext Arbeitsmarktentwicklung

  Arbeitsmarkt-Info Q3-2024 - Tabellen und Grafiken

  Methodologische Unterschiede zwischen den Regionen