Arbeitsmarktstatistik

Arbeitsmarktentwicklung in Ostbelgien - Zweites Quartal 2024

Der Bericht zur aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarkts im zweiten Quartal 2024 enthält Informationen zu den Arbeitslosenzahlen in Ostbelgien, sowie den Stellenangeboten, die dem Arbeitsamt gemeldet wurden.

Mehr Menschen arbeitsuchend gemeldet

Ende Juni 2024 liegt die Zahl der Vollarbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei 2.381 Personen. Damit ist die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr um +227 Personen gestiegen. Der sonst übliche Rückgang im Frühjahr wird durch die Erweiterung der Arbeitsuchenden-Definition kompensiert. Die Arbeitslosenrate steigt dadurch ebenfalls von 5,8% im Juni 2023 auf nunmehr 6,4% im Juni 2024.

Im Kanton Eupen bleibt die Arbeitslosenrate mit 8,4% nach wie vor deutlich höher als im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der mit einer Rate von 3,2% nahezu Vollbeschäftigung kennt. Die Arbeitslosenrate der Frauen ist mit 6,5% fast gleichauf mit diejenigen der Männer (6,3%). Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr betrifft in der Tat überwiegend Männer.

Nur noch etwa 52% der Arbeitslosen beziehen Arbeitslosengeld. Rund 18% werden von einem ÖSHZ unterstützt. Die übrigen Arbeitslosen beziehen ein anderes oder gar kein Ersatzeinkommen. So sind etwa 6% der Arbeitslosen Schulabgänger, die noch kein Anrecht auf Unterstützung haben und knapp 17% sind freiwillig eingetragene Arbeitsuchende, zumeist ohne Anspruch auf Unterstützung.

Im Vergleich zum zweiten Quartal des Jahres 2023 ist die Arbeitslosenzahl in der
Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt um +11,1% (oder +238 Personen) gestiegen. Dieser Anstieg betrifft fast ausschließlich Personen, die kein Arbeitslosengeld beziehen. Dies hat zwei Hauptursachen. Zum einen wurden ab September 2023 die Regeln der Ein- und Austragung angepasst. Diese Anpassung verfolgt das Ziel, mehr Arbeitsuchende als bislang zu erfassen, um breiter informieren und begleiten zu können. ÖSHZ-Kunden sind nun, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zur Eintragung verpflichtet. Arbeitsuchende, die kein oder ein anderes Ersatzeinkommen beziehen, wird die Eintragung im Arbeitsamt empfohlen. Zudem werden sie nicht mehr automatisch nach drei Monaten aus der Datenbank ausgetragen.

Die zweite Ursache des Anstiegs von Arbeitsuchenden ohne Arbeitslosengeld im Vergleich zum Vorjahr liegt in der steigenden Zahl von eingetragenen Ukraine-Flüchtlingen. Sie werden in der Regel vom ÖSHZ unterstützt. Zurzeit handelt es sich um knapp 160 Personen.

Hinzu kommt noch seit Beginn 2024 das neue Programm zur Wiedereingliederung von langzeitkranken Personen. Dieses betrifft zurzeit rund 30 Personen, die zusätzlich zu den Arbeitsuchenden hinzugezählt werden.

Der größte Teil der Arbeitslosen in Ostbelgien, nämlich rund 34%, sind älter als 50 Jahre (und davon die Hälfte sogar älter als 60 Jahre). Der Anteil der 50plusser zeigt allerdings seit dem Jahr 2020 eine leicht sinkende Tendenz.
Der Anteil der jugendlichen Arbeitslosen fällt im Juni 2024 auf rund 12% und ist damit der geringste in ganz Belgien. Dieser Anteil dürfte im Laufe des Sommers allerdings wieder ansteigen, wenn sich die Schulabgänger eintragen.

Die Hälfte der Arbeitslosen (50,2 %) ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und zählt damit zu den Langzeitarbeitslosen. Nachdem in dieser Gruppe allmählich ein Rückgang festzustellen war, liegt mittlerweile wieder ein Anstieg vor. Dies dürfte v.a. darauf zurückzuführen sein, dass viele der registrierten Ukraine-Flüchtlinge mittlerweile mehr als ein Jahr arbeitslos sind. Allerdings ist die Zahl der Kurzzeitarbeitslosen im ersten Quartal auch weiter angestiegen.

Sieht man sich die Qualifikationsstruktur an, so stellt man fest, dass 41% der Arbeitslosen niedrig qualifiziert sind, d.h. sie verfügen höchstens über den Abschluss der Unterstufe des Sekundarschulunterrichtes. 15% haben eine Lehre beendet, 26% das Abitur und 17% verfügen über einen Hochschulabschluss. In dieser Statistik wird kein Unterschied zwischen belgischen oder ausländischen Abschlüssen gemacht, d.h. auch nicht formal in Belgien anerkannte ausländische Abschlüsse werden wie inländische Abschlüsse gezählt.

Knapp die Hälfte der Arbeitslosen (49,3%) ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und zählt damit zu den Langzeitarbeitslosen. Nachdem in dieser Gruppe allmählich ein Rückgang festzustellen war, liegt mittlerweile wieder ein leichter Anstieg vor. Dies dürfte v.a. darauf zurückzuführen sein, dass viele der registrierten Ukraine-Flüchtlinge mittlerweile mehr als ein Jahr arbeitslos sind. Allerdings ist im zweiten Quartal aufgrund der oben erwähnten Regeländerungen vor allem die Zahl der (neu erfassten) Kurzzeitarbeitslosen weiter angestiegen.

Sieht man sich die Qualifikationsstruktur an, so stellt man fest, dass 42% der Arbeitslosen niedrig qualifiziert sind, d.h. sie verfügen höchstens über den Abschluss der Unterstufe des Sekundarschulunterrichtes. 14% haben eine Lehre beendet, 26% das Abitur und 17% verfügen über einen Hochschulabschluss. In dieser Statistik wird kein Unterschied zwischen belgischen oder ausländischen Abschlüssen gemacht, d.h. auch nicht formal in Belgien anerkannte ausländische Abschlüsse werden wie inländische Abschlüsse gezählt.


Rückläufige Zahl der Stellenangebote

Ein Indiz für die Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften ist auch die Zahl der beim Arbeitsamt aufgegebenen offenen Stellen. Auch wenn nicht alle Stellenangebote dem Arbeitsamt gemeldet werden, spiegelt diese Zahl die konjunkturelle Entwicklung zumeist recht gut wider. So wurden im ersten Quartal 2024 dem Arbeitsamt nur noch 244 offene Stellen gemeldet (ohne Interim-Stellen), davon 82% von ostbelgischen Betrieben. Dies ist ein Rückgang um -22% im Vergleich zum Vorjahr.

Weitere Informationen, Tabellen und Grafiken finden Sie unter: www.adg.be/statistik


[1] Beim Vergleich der Arbeitslosenquoten muss man berücksichtigen, dass die Erfassungsmethoden je nach Region abweichen können. Nähere Erläuterungen zu den methodologischen Unterschieden finden Sie in den Downloads.

Downloads

Q2-2024 Pressetext Arbeitsmarktentwicklung

Arbeitsmarkt-Info Q2-2024 - Tabellen und Grafiken

Methodologische Unterschiede zwischen den Regionen