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Tätigkeitsbericht 2020 des Arbeitsamtes

Der Tätigkeitsbericht zeigt zum einen die Arbeitsmarktentwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf, zum anderen vermittelt er einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aktivitäten des Arbeitsamtes.

Das Jahr 2020 hat unsere gesamte Gesellschaft vor enorme Herausforderungen gestellt. Die im Frühjahr aufkommende  Corona-Pandemie war und ist nicht nur eine gravierende Gesundheitskrise, sondern hat auch in der Wirtschaft und Arbeitswelt weitreichende Spuren hinterlassen. Ganze Branchen und Berufszweige mussten vorübergehend ihre Tätigkeiten einstellen und wurden zeitweise nur über staatliche Unterstützungen am Leben erhalten. Beschäftigte und Kunden mussten plötzlich ungewohnte Abstands- und Hygieneregeln einhalten, und Homeoffice und digitale Dienstleistungen wurden in vielen Bereichen umgehend zur neuen Norm erhoben.
    
Auch das Arbeitsamt hat seine Tätigkeiten und Arbeitsweisen in dieser Zeit ständig an neue Regeln und Gegebenheiten anpassen müssen. Der Digitalisierung wurde damit innerhalb kurzer Zeit ein starker Schub versetzt. Dort, wo die Dienstleistung aber aus Beratung und Ausbildung besteht und der zwischenmenschliche Kontakt eine wichtige Rolle spielt, stellt sich allerdings auch heraus, dass digitale Angebote ihre Grenzen haben, gerade dann, wenn die betroffenen Kunden mit komplexen Problemen zu kämpfen haben und/oder nicht in der digitalen Welt zuhause sind. In Zukunft wird es daher noch vermehrt darauf ankommen, den richtigen Mix aus digitalen und analogen Dienstleistungen anzubieten, der das „Beste aus beiden Welten“ miteinander vereint und niemanden zurücklässt.

Der Arbeitsmarkt in Ostbelgien präsentiert sich derzeit - etwas mehr als ein Jahr nach Beginn der Krise - so robust, als wäre nichts geschehen. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich – auch dank einer großzügigen Kurzarbeitsregel – auf einem niedrigeren Niveau als vorher und der Arbeitskräftemangel ist wieder in aller Munde. Dessen ungeachtet sind gewisse Risikogruppen (Niedrigqualifizierte, Migranten, …) nach wie vor am Arbeitsmarkt benachteiligt und bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit hoch. Diese Probleme wenn nötig mit neuen Methoden anzugehen, bleibt das Bestreben des Arbeitsamtes und all seiner Mitarbeiter auch in den kommenden Jahren.

Und noch ein weiteres, diesmal internes Ereignis hat das Leben des Arbeitsamtes im vergangenen Jahr markiert: nach 30 Jahren in Diensten des Arbeitsamtes, davon die ersten 10 Jahre noch als Teil des wallonischen FOREM, hat der Geschäftsführende Direktor, Herr Robert Nelles, im November 2020 seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten. Robert Nelles hat über all die Jahre die Schaffung eines eigenständigen Arbeitsamtes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und die ständige Weiterentwicklung seiner Dienstleistungen maßgeblich mitgeprägt. Überzeugt vom Mehrwert einer effizienten und leistungsfähigen öffentlichen Verwaltung, hat er sich immer wieder für eine ergebnisorientierte und innovative Beschäftigungspolitik eingesetzt und die Interessen aller Kundengruppen und Stakeholder auszubalancieren versucht. Auch als Mensch und Direktor, der für seine Mitarbeiter stets ein offenes Ohr hatte und sich für ihre Belange einsetzte, wird er in bester Erinnerung bleiben. Für dieses langjährige berufliche und menschliche Engagement möchten wir Robert Nelles, auch im Namen der Belegschaft, herzlichst danken und wünschen ihm noch ein langes und aktives „Pensioniertendasein“.

Arbeitsmarkt

Nach mehreren Jahren des Rückgangs ist die Zahl der Arbeitslosen 2020 im Zuge der Corona-Krise wieder merklich angestiegen, wobei jedoch das System der Kurzarbeit erheblich dazu beigetragen hat, Entlassungen in größerem Ausmaß zu vermeiden. Im Jahresschnitt 2020 waren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 2.443 Personen als Vollarbeitslose gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr (Schnitt 2019: 2.283 Personen) ist die Zahl der Arbeitslosen damit um 159 Personen gestiegen (+7,0%).

Die Arbeitslosenrate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft belief sich auf 6,6% (Vorjahr 6,2%).

Betreuung der Arbeitsuchenden

Im Laufe des Jahres 2020 waren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt 4.753 Personen zu betreuen. Hiervon waren 2.662 Personen bereits in den Vorjahren ermittelt worden und ihre Betreuung wurde 2020 fortgeführt.

Im Laufe des Jahres 2020 wurden 2.091 Neuzugänge ermittelt. Damit ist die Zahl der Neuzugänge seit 2014 kontinuierlich gesunken, was auch der allgemeinen Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Deutschsprachigen Gemeinschaft entspricht (mit Ausnahme des Jahres 2020).

Fördermaßnahmen & Projekte

Seit dem 1. Januar 2019 haben die beiden Fördermaßnahmen „AktiF“ und AktiF Plus“ in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine Reihe von vorher existierenden Einstellungsbeihilfen (Aktiva, SINE, BVA bei VoG und Behörden, Beschäftigungsprämie für ältere Arbeitnehmer usw.) ersetzt. Seit Januar 2019 stellt das Arbeitsamt die entsprechenden Bescheinigungen für die in Frage kommenden Arbeitsuchenden aus. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 928 Anträge beim Arbeitsamt eingereicht (-27% im Vergleich zum Vorjahr).

Das Konzept der "Unterstützten Beschäftigung" umfasst alle Hilfen, die für Menschen mit Vermittlungshemmnissen erforderlich sein können, um erfolgreich in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten zu können. Im Arbeitsamt wurden fünf Mitarbeiter, die sich um die Betreuung von arbeitsmarktfernen Arbeitsuchenden kümmern, in dieser Methodik geschult.

In der DG waren im Laufe des Jahres 2020 insgesamt 115 Personen von einer spezifischen Betreuung („PMS-Publikum“) betroffen.

Da man aber landesweit feststellen musste, dass selbst diese Zeit nicht ausreicht, um einen Teil dieser Personen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen, wurde im Juli 2019 das Statut der „Nicht-Mobilisierbaren“ eingeführt. Darunter werden Arbeitsuchende verstanden, die eine Kombination psychisch-medizinisch-sozialer Merkmale aufweisen, die dauerhaft ihre Gesundheit und/oder ihre soziale Integration  und somit ihre berufliche Eingliederung beeinträchtigen.

Ein weiteres Instrument sind die Lokalen Beschäftigungsagenturen (LBA), die im Zuge der 6. Staatsreform ins Arbeitsamt integriert worden sind. Das LBA-System ermöglicht es arbeitsmarktfernen Personen, einer Beschäftigung mit begrenztem Umfang nachzugehen. Im Jahr 2020 haben 235 Personen mindestens einmal für eine LBA gearbeitet.

Berufliche Ausbildungen

2020 war das Angebot zudem aufgrund der Corona-Krise eingeschränkt: manche Ausbildungen mussten zeitweise unterbrochen werden, andere konnten online weitergeführt werden. Insgesamt konnten dennoch im Laufe des Jahres 972 Teilnehmer in den verschiedenen Maßnahmen verzeichnet werden.

Insgesamt 69 Arbeitsuchende und 75 Beschäftigte haben 2020 eine Aus- oder Weiterbildung in einem Berufsbildungszentrum des Arbeitsamtes absolviert.

An das Zielpublikum der schwer vermittelbaren Arbeitslosen richtet sich das Angebot der Integrations- und Vorschaltmaßnahmen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Aufarbeitung vermittlungshemmender Faktoren wie Sozialkompetenzen, Arbeitsverhalten, Motivation…

Berufsorientierung

Der Fachbereich der Berufsberatung und -orientierung investiert zunehmend in internetbasierte Dienstleistungen - darunter ein neues umfangreiches Angebot an online-Berufsbeschreibungen. Doch auch die klassische Einzelberatung hat nach wie vor eine große Bedeutung und wird nunmehr vermehrt vom psychologischen Dienst gewährleistet.

Die Berufsberatung leistet in Zusammenarbeit mit Kaleido, den Schulen, Eltern und anderen Beteiligten aktive Hilfestellung bei der Berufswahlvorbereitung: Sie organisiert eine Vielzahl von Klassenanimationen in den Schulen, hält Vorträge und nimmt an Informationsveranstaltungen teil. 

Kontrolle des Suchverhaltens

Der Kontrolldienst ist ein unabhängiger und neutraler Dienst, der direkt dem Geschäftsführenden Direktor untersteht. Er kontrolliert die Suchbemühungen und die Verfügbarkeit der Arbeitsuchenden nach den Vorgaben des föderalen normativen Rahmens und der vom Verwaltungsrat verabschiedeten Richtlinien.

Die Zahl der Bewertungen bei den jugendlichen Arbeitsuchenden in der Berufseingliederungszeit stieg 2020 leicht auf 623. 2020 wurden insgesamt 311 Bewertungen von entschädigten Arbeitslosen vorgenommen.

Im Vergleich zum Jahr 2019, als 396 Beschlüsse gefasst wurden, ist ein Rückgang der Kontrollen um 21% festzustellen. Dies ist im Wesentlichen auf die Corona-Krise zurückzuführen.